Wie du GarageBand auf dem Mac nutzt, um einen Podcast von Grund auf aufzunehmen
Praktische Anleitung zum Aufnehmen, Bearbeiten und Exportieren deines Podcasts in GarageBand mit konkreten Einstellungen für Mikrofon, EQ, Kompression und Bitrate. Ohne Schnickschnack, mit echten Schritten.

GarageBand ist nicht Logic Pro, aber für die Aufnahme eines Podcasts mit ein oder zwei Stimmen reicht es völlig aus. Es ist auf jedem Mac kostenlos enthalten, braucht wenig Speicherplatz und bietet das Wesentliche gut gelöst: Mehrspurbetrieb, ordentliche EQ- und Kompressor-Plugins sowie Export als MP3 oder AAC mit wenigen Klicks.
In dieser Anleitung baust du einen Podcast von Grund auf: Mikrofoneinrichtung, Vorlage, Aufnahme, Bearbeitung, Mischung und Export mit konkreten Einstellungen. Ich gehe davon aus, dass du einen Mac mit macOS Sonoma 14 oder neuer und GarageBand 10.4 oder neuer hast. Geschätzte Dauer: 30–45 Minuten beim ersten Mal, deutlich weniger, wenn du eingespielt bist.
Warum GarageBand für Podcasts (und wann nicht)
GarageBand deckt rund 90 % dessen ab, was ein Gesprächspodcast braucht: zwei oder drei Spuren aufnehmen, Pausen schneiden, einen musikalischen Intro-Teil einfügen, EQ und Kompressor anwenden und als MP3 exportieren. Punkt.
Wann stößt es an Grenzen? Wenn du Fernaufnahmen in Studioqualität brauchst (dafür nimmt man Riverside oder SquadCast), wenn du sehr feine Bearbeitungen mit komplexen Überblendungen machst oder wenn du viele Folgen im Stapel verarbeiten willst. Dafür gibt es Logic Pro (229 € als Einmalkauf im Mac App Store, Stand September 2026) oder Reaper (60 $ mit persönlicher Lizenz).
Für einen wöchentlichen Podcast, der zu Hause mit ein oder zwei Mikrofonen aufgenommen wird, reicht GarageBand problemlos aus.
Voraussetzungen
- Mac mit macOS Sonoma 14 oder neuer. Läuft auch unter Ventura, aber einige Plugins funktionieren mit neueren Versionen besser.
- GarageBand 10.4.11 oder neuer (kostenlos im Mac App Store).
- USB-Mikrofon oder Audio-Interface mit XLR-Mikrofon.
- Geschlossene Kopfhörer (damit das Referenzsignal nicht ins Mikrofon übersprechen kann).
- Freier Speicherplatz: etwa 500 MB pro Stunde Aufnahme in Standardqualität.
Wenn der Mac ein MacBook Air M1 oder neuer ist, wirst du weder bei der Leistung noch bei 8 geöffneten Spuren Probleme haben.
Mikrofon auswählen und anschließen
Für den Einstieg löst ein USB-Mikrofon wie das Shure MV7+ (279 € im Apple Store Spanien, Stand September 2026) oder das Rode PodMic USB (199 €) das Problem. Wenn du bereits ein Audio-Interface hast, klingt ein dynamisches XLR-Mikrofon wie das Shure SM7B oder das Rode PodMic (99 €) besser und isoliert Raumgeräusche stärker.
Verwende das interne Mikrofon des MacBooks nur für Testzwecke. Es klingt blechern und nimmt alles auf, was um dich herum passiert.
Schließe das Mikrofon an, bevor du GarageBand öffnest. So ist es direkt beim Start verfügbar.
Mikrofon in macOS einrichten
Bevor du GarageBand öffnest, prüfe, ob macOS das Mikrofon erkennt:
- Gehe zu Systemeinstellungen → Ton → Eingang.
- Wähle dein Mikrofon in der Liste aus.
- Sprich in normaler Lautstärke und beobachte die Anzeige. Sie sollte sich beim lauten Sprechen zwischen 60 % und 75 % bewegen, ohne den Maximalwert zu erreichen.
- Stelle die Eingangslautstärke so ein, dass sie diesen Bereich erreicht.
Wenn das Mikrofon nicht erscheint, ziehe den Stecker und stecke ihn wieder ein. Wenn du einen USB-C-Hub mit günstiger Qualität verwendest, schließe das Mikrofon direkt am Mac an: Billige Hubs erzeugen elektrische Störgeräusche.
Ein neues Projekt vom Typ „Stimme“ erstellen
Öffne GarageBand und wähle Leeres Projekt. Wähle im Fenster für neue Spuren Stimme → Mit Mikrofon aufnehmen. Stelle unten Folgendes ein:
- Eingang: dein Mikrofon (nicht „Integrierter Eingang“).
- Ausgang: deine Kopfhörer.
- Eingangsüberwachung: nur aktivieren, wenn du mit geschlossenen Kopfhörern hörst. Bei Lautsprechern kommt es zu Rückkopplungen.
Klicke auf Erstellen. Die erste Spur ist fertig.
Gehe zu GarageBand → Einstellungen → Audio/MIDI und prüfe, ob Eingabe- und Ausgabegerät korrekt sind. Hier legst du auch die Abtastrate fest: Für Podcasts bleibt es bei 44.100 Hz. 48 kHz nur, wenn du mit Video arbeitest.
Podcast-Vorlage: benötigte Spuren
Für einen Podcast mit zwei Stimmen empfehle ich folgende Struktur:
- Stimme 1 (Hauptmoderator).
- Stimme 2 (Gast oder Co-Moderator).
- Intro / Outro (Musik).
- Jingles / SFX (Effekte, Übergänge).
Um neue Spuren hinzuzufügen: Spur → Neue Spur (⌥ + ⌘ + N). Für Stimmen wählst du „Mit Mikrofon aufnehmen“, für Musik „Schlagzeug-/Loop-Spieler“ (in der Regel ziehst du aber einfach deine eigenen MP3- oder WAV-Dateien auf die Spur).
Speichere das Projekt jetzt (⌘ + S) als Basisvorlage. Für die nächste Folge verwendest du Ablage → Sichern unter und wiederverwendest sie.
Aufnahmeeinstellungen: Pegel, Überwachung und Countdown
Schau bei jeder Sprachspur auf die Pegelanzeige im Inspektor Smart Regler (B zum Ein- und Ausblenden). Beim normalen Sprechen sollte der Spitzenwert zwischen -18 dB und -12 dB liegen. Niemals nahe 0 dB.
Aktiviere den Countdown unter Aufnahme → Vor der Aufnahme zählen oder drücke ⇧ + K. Du hast dann einen Takt Zeit, bevor es losgeht.
Schalte das Metronom für Podcasts aus (K). Du brauchst es nicht, und es stört nur.
Wenn du mit zwei Mikrofonen gleichzeitig aufnimmst, muss jede Spur auf einen anderen Kanal deines Interfaces zeigen. Stelle im Spurinspektor den Eingang einer Spur auf „Eingang 1“ und den der anderen auf „Eingang 2“. Aktiviere bei beiden Spuren die rote Taste für Aufnahme aktivieren.
Aufnehmen: der tatsächliche Arbeitsablauf
Drücke R oder die rote Taste, um aufzunehmen. Leertaste zum Stoppen.
Tipps, die man nur beim Aufnehmen lernt:
- Lass 10 Sekunden Stille am Anfang. Sie helfen dir, das Grundrauschen zu erfassen, falls du es später reduzieren willst.
- Wenn du dich verhaspelst, halte nicht an. Klatsche einmal kräftig (das erscheint als Spitze in der Wellenform) und wiederhole den Satz. Beim Schneiden findest du die Spitze und kannst die fehlerhafte Stelle entfernen.
- Nimm bei einer langen Folge jeden Themenblock separat auf. Das erleichtert die Bearbeitung.
- ⌘ + Z macht die letzte vollständige Aufnahme rückgängig.
Wenn du mit einem Gast per Videoanruf remote aufnimmst, kann GarageBand den Ton anderer Apps nicht direkt erfassen. Dafür brauchst du ein Hilfsprogramm wie BlackHole oder Loopback. Ich plane, das später ausführlich zu behandeln, aber vorerst hilft dir diese Anleitung zum Aufnehmen des Bildschirms mit internem Ton unter macOS ohne Drittanbieter-Apps, um zu verstehen, wie macOS Audio weiterleitet.
Bearbeiten: Pausen schneiden, Rauschen entfernen, Lautstärken anpassen
Zoomen mit ⌘ + Pfeil nach rechts. ⌘ + T teilt die Region an der Cursorposition.
Grundlegender Bearbeitungsablauf:
- Höre die ganze Aufnahme einmal durch und setze mit ⌘ + T Markierungen bei Versprechern.
- Wähle die schlechten Abschnitte aus und drücke Entf.
- Verbinde nahe beieinanderliegende Regionen, indem du eine über die andere ziehst.
- Schneide lange Pausen zwischen Sätzen heraus und schiebe die rechte Region nach links.
Um einzelne Stellen abzusenken (ein Husten, ein Tischklopfen), aktiviere die Lautstärkeautomation: Drücke A. Auf der Spur erscheint eine gelbe Linie. Klicke, um Punkte zu setzen, und ziehe sie nach unten, um die Lautstärke an dieser Stelle zu senken.
GarageBand hat keinen leistungsstarken integrierten Rauschunterdrücker. Wenn die Aufnahme viel Hintergrundrauschen hat, exportiere die unbearbeitete Spur, bearbeite sie mit Audacity (kostenlos) per „Rauschunterdrückung“ und importiere die bereinigte WAV-Datei wieder.
EQ und Kompression auf die Stimmen anwenden
Öffne bei ausgewählter Spur die Smart Regler (B). Du siehst Plugin-Voreinstellungen. Klicke auf den Namen der Voreinstellung und wähle Stimme → Podcast Natural oder Stimme → Helle männliche/weibliche Stimme.
Wenn du von Hand feinabstimmen willst, öffne den Mischer (X) und aktiviere die Plugins Channel EQ und Compressor:
Empfohlener EQ für Stimmen:
- Hochpassfilter bei 80 Hz (entfernt Dröhnen und Raumgeräusche).
- Sanfte Absenkung um -3 dB im Bereich 250–400 Hz, wenn die Stimme „verwaschen“ klingt.
- Sanfte Anhebung um +2 dB im Bereich 3–5 kHz für mehr Klarheit.
- Sehr leichte Anhebung um +1 dB bei 10 kHz für mehr „Luft“.
Kompressor:
- Ratio: 3:1 oder 4:1.
- Threshold: so einstellen, dass Spitzen um -4 bis -6 dB reduziert werden.
- Attack: 10 ms.
- Release: 80–100 ms.
- Make-up-Gain: so weit anheben, bis der Pegel dem Wert vor der Kompression entspricht.
Ziel ist eine Stimme, die gleichmäßig klingt, ohne abrupte Lautstärkesprünge. Aber nicht übertreiben: Ein überkomprimierter Podcast ermüdet.
Intro, Jingles und Hintergrundmusik hinzufügen
Ziehe deine Musikdatei (MP3, WAV oder AIFF) direkt auf die Spur „Intro / Outro“. GarageBand erstellt die Region automatisch.
Damit die Musik leiser wird, sobald gesprochen wird (Ducking):
- Wähle die Musikspur aus.
- Menü Mix → Ducking.
- Markiere die Musikspur als „Follower“ und die Sprachspuren als „Leader“.
Sobald du sprichst, wird die Musik automatisch leiser. Passe das Ausmaß der Absenkung mit dem Ducking-Regler an.
Für Ein- und Ausblendungen wähle eine Region aus und nutze das Menü Mix → Einblendung / Ausblendung erstellen. Oder ziehe an den oberen Ecken der Region.
Endmischung: Lautstärken und Master
Prüfe vor dem Export den Gesamtpegel des Masters. Im Mischer (X) sollte der Regler Master bei Spitzen nicht über -3 dB hinausgehen.
Um Übersteuerung zu verhindern, füge in der Master-Spur einen Limiter hinzu: Doppelklick auf den Plugin-Steckplatz des Master-Kanals → Dynamik → Limiter. Stelle den Ausgang auf -1 dB ein. Das ist eine sinnvolle Absicherung.
Höre die gesamte Folge mindestens einmal vom Anfang bis zum Ende. Wenn etwas komisch klingt, korrigiere es jetzt.
Exportieren: Formate, Bitrate und Metadaten
Menü Teilen → Song auf Datenträger exportieren.
Empfohlene Einstellungen für Podcasts:
- Format: MP3. Das akzeptieren alle Plattformen.
- Qualität: Hohe Qualität (192 kbps) für Stimme + Musik. Bei reiner Stimme reichen 128 kbps.
- Stereo oder Mono: Mono bei einer einzelnen Stimme ohne Musik; Stereo, wenn Musik oder mehrere Stimmen dabei sind.
Fülle die Metadaten vor dem Export unter Ablage → Projektinformationen aus: Titel, Interpret (Podcast-Name), Album (Staffel), Titelnummer.
Wenn deine Hosting-Plattform AAC akzeptiert, bietet der Export in AAC mit 96 kbps bei gleicher Dateigröße bessere Qualität. Spotify und Apple Podcasts akzeptieren das problemlos.
Die Folge veröffentlichen
GarageBand veröffentlicht nicht direkt auf Podcast-Plattformen. Lade die MP3 bei deinem Hosting hoch: Spotify for Podcasters (kostenlos), Transistor (19 $/Monat), Fireside (19 $/Monat) oder Anchor. Diese erzeugen den RSS-Feed, den du an Apple Podcasts, Spotify und andere Verzeichnisse schickst.
Bewahre das Originalprojekt (.band) immer zusätzlich zur exportierten MP3 auf. Wenn du später neu mastern oder etwas korrigieren willst, wirst du es dir danken.
Häufige Probleme
Das Mikrofon ist bei der Aufnahme nicht zu hören: Prüfe, ob bei der Spur die Eingangsüberwachung aktiviert ist (das gelbe Lautsprechersymbol). Und ob die Kopfhörer als Ausgang ausgewählt sind.
Es gibt Echo oder Rückkopplung: Du überwachst über Lautsprecher. Verwende Kopfhörer oder deaktiviere die Überwachung.
GarageBand hängt sich beim Anwenden von Plugins auf: zu viele Spuren mit Echtzeiteffekten. Friere Spuren ein: Rechtsklick auf die Spur → Spur einfrieren.
Die exportierte MP3 klingt leiser als andere Podcasts: Es fehlt Kompression oder ein Limiter. Prüfe den Abschnitt zur Mischung.
Mein USB-Interface erscheint nicht: Gehe zu GarageBand → Einstellungen → Audio/MIDI und wähle es manuell als Eingabegerät aus.
FAQ
Kann ich gleichzeitig mit zwei USB-Mikrofonen aufnehmen? Nicht direkt. macOS erlaubt nur einen USB-Eingang. Lösung: Erstelle in den Audio-MIDI-Einstellungen (Programme → Dienstprogramme) ein aggregiertes Gerät, das beide Mikrofone kombiniert, und wähle es in GarageBand als Eingang aus.
Kann GarageBand als WAV exportieren? Ja. Unter Teilen → Song auf Datenträger exportieren wechselst du das Format auf AIFF oder WAVE. Die Dateien sind größer, behalten aber die volle Qualität, falls du in einer anderen App masterst.
Wie groß ist eine exportierte Folge mit 60 Minuten? Als MP3 mit 128 kbps etwa 55 MB. Mit 192 kbps etwa 82 MB. Als AAC mit 96 kbps etwa 42 MB.
Kann ich das Projekt später nach Logic Pro übertragen? Ja. Logic öffnet .band-Dateien direkt und behält Spuren, Regionen und Automationen bei. Die GarageBand-Plugins funktionieren auch in Logic.
Lohnt sich Logic Pro nur für Podcasts? Wenn du wöchentlich einen Podcast machst und schnellere Bearbeitung möchtest (Marker, Spurgruppen, automatisches Stille-Entfernen), ja. Wenn du einmal im Monat eine Folge aufnimmst, reicht GarageBand völlig aus.


